Email  zurück zur Homepage eine Stufe zurück
Stucksdorf
Stucksdorfer Moos
Moos-Exkursion mit dem Naturschutzreferenten der DAV Sektion Rosenheim, Werner Karl, Do 30. August 2001
Die Seen und Möser (Plural von Moos!) nördlich des Chiemsees entstanden durch das Abschmelzen von Toteis. Dies waren vom Inntal- und Chiemseegletscher, der sich zurückzog, abgelöste Eisblöcke, die von Schotter überdeckt wurden und dann schmolzen. Im Stucksdorfer Moos gibt es sowohl Streuwiesen (Flachmoor), als auch Filzn (Hochmoor). Der Name Hochmoor kommt von der Aufwölbung der Moormitte infolge der dort herrschenden günstigeren Wachstumsverhältnisse. Das Stucksdorfer Moos liegt weitläufig im Nordosten des verlandenden Siflinger Sees.
Ausgangspunkt der Exkursion war Schwabering. In einem weiten dreistündigen Bogen ging es zunächst nach NO zwischen Osterfing und Patersdorf, dann nach W zum Siflinger See und zurück.
"Größere Verlandungsmoore umgeben vor allem den Sims- und den Chiemsee. Sie bilden den natürlichen Übergang vom nassen Element zum festen Boden. Diese Übergangsstufen beginnen bei den Wasserpflanzen, setzen sich in den Supfpflanzen fort und reichen bis zu den gesellschaften der feuchten und trockenen Streuwiesen. Sie sind daher untrennbare Bestandteile der Seenlandschaft. Mit Recht stehen einzelne von ihnen unter Landschaftsschutz" (stucksdorf Ringler 24). Ergänzung: leider bedeutet Landschaftsschutz wenig bis nichts.
stucksdorf Kaisermantelstucksdorf Lungenenzianstucksdorf Moosenzianstucksdorf Schwalbwurzenzianstucksdorf Rundblättriger Sonnentau
stucksdorf Torfmoos

 
Kaisermantel (Argynrazs paphia L.) auch: Silberstrich. Familie: Edelfalter. 5,5 - 6,5 cm
Aussehen: Flügeloberseite ockergelb mit 3 schwarzen Fleckenreihen entlang dem Flügelsaum; vier Flügeladern des Vorderflügels beim Weibchen nur schwach, beim Männchen breit schwarz gefärbt. Unterseite der Hinterflügel mattgrün mit 3 silberfarbenen Strichen (Name).
Vorkommen: Weit verbreitet an Waldrändern, in Waldlichtungen, auf Waldwiesen vom Flachland bis in die Gebirgstäler. Er ist ein Tagfalter und kommt auch auf freien alpinen Weiden vor. Bevorzugt sitzt er auf Disteln
Flugzeit: Der Kaisermantel ist von Ende Juni bis Anfang September aktiv.
Eier: Einzeln an den Futterpflanzen.
Raupe: Länge etwa 5 cm; ist braun und schwarz gefärbt mit gelben Längsstreifen und dornartigen gelben Fortsätzen auf dem Rücken; frißt von März bis Juni an Waldveilchen und Himbeeren.
Puppe: Stützpuppe.
Überwinterung: Als Ei.
Durch den Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln ist der Kaisermantel, wie auch andere Schmetterlingsarten gefährdet.
Unten folgende Fotos mit freundlicher Genehmigung durch Walter Schoen von seinen herrlichen Schmetterlingsseiten
Kaisermantel m
Der Kaisermantel - hier das Männchen, erkennbar an den dunklen Streifen – ist ein auffälliger, grosser Waldschmetterling.
Kaisermantel w
Dem weiblichen Falter fehlen die dunklen Streifen! Er kann deshalb von der Oberseite her leicht mit anderen grossen Arten von Perlmutterfaltern verwechselt werden.
Foto links mit freundlicher Genehmigung durch den
NationalparkNationalpark Hohe Tauern
Lungenenzian (Gentiana pneumonanthe)
"Stengel bis 50 cm hoch, mit schmalen, kreuzweise gegenüberstehenden Blättern, Blüten groß, glockig, azurblau. Blütezeit: Juli – September. Zerstreut in feuchten Wiesen und Flachmooren, nördlich der Donau sehr selten. Infolge Entwässerung zurückgehend. Vollkommen geschützt. gefährdet" (stucksdorf StMLU 60).
Moosenzian, Moostragent (Swertia perennis); "der nach stucksdorf Hegi nur westlich des Inns vorkommen soll. Wegen seiner schlanken Tracht und der kleinen flachen Blüten wird seine Verwandtschaft zu den Enziangewächsen nicht ohne weiteres erkannt. Die Staubblätter des Moorenzians führen während der Blüte zeit eigene Bewegungen in geregelter Reihenfolge aus, woducht die Blütezeit jeder Blüte auf eine Woche ausgedehnt wird." (stucksdorf Ringler 30)
Schwalbwurzenzian, Schwalbenwurzenzian (Gentiana asclepiadea)
"Stengel bis 80 cm lang, reich beblättert, Blüten glockig, groß, azurblau, zahlreich, aus deb Blattachseln entspringend. Blütezeit: Juli – September. Verbreitet in feuchten Wöldern der Alpen und des Vorlandes, durch Entwässerung zurückgehend. Vollkommen geschützt." (stucksdorf StMLU 38)
"Name bezieht sich auf die Ähnlichkeit seiner Blätter mit der Schwalbenwurz. Ganze Pflanze, besonders Wurzel, enthält wie alle Enziane bittere Glykoside und wurde medizinisch verwendet. In der Volksheilkunde schrieb man ihm Heilkraft gegen Tollwut zu und gebrauchte ihn bei Hundebiss (Bitzwurzen), in der Tierheilkunde als Mittel gegen Klauenerkrankungen ). Als Zauberkraut mit dem Namen Dorant sollte er vor Hexen schützen. Weitere Volksnamen sind Blaue Kreuzwurz (nach den kreuzgegenständigen Blättern), Geißleitern (nach den leiterförmigen Schattenblättern), Herbst-Enzian und Hirschbrunft-Enzian (nach seiner späten Blütezeit)." (stucksdorf DAV 29)
Rundblättriger Sonnentau (Drosea rotundifolia)
  "Blätter kreisrund, rosettig, ausgebreitet, lang gestielt, mit klebrigen Stieldrüsen zum Insektenfang besetzt. Blüten weiß, klein, in lockerer, aus der Rosette entspringender Traube. Blütezeit: Juli-August. In Hochmooren zwischen Torfmoos. Teilweise geschützt." (stucksdorf StMLU 70)
"Drosera (Sonnentau-Arten) Droseraceae (Sonnentaugewächse)
»Fleischfressende«, (karnivore) Pflanzen. Der Tierfang dient vor allem der zusätzlichen Gewinnung von Stickstoffverbindungen auf nährsalzarmen Böden. Die Fangblätter sind am Rand mit langgestielten, durch Eiweißstoffe reizbaren Drüsenzotten (Tentakeln) besetzt. Diese scheiden an der Spitze einen zähflüssigen, glänzenden (Name Sonnentau!), duftenden Tropfen ab, der unter anderem Eiweiß spaltende Enzyme und Ameisensäure enthält. In der Blattmitte befinden sich kurzstielige Verdauungsdrüsen. Winzige Insekten, z.B. kleine Mücken, werden vom Fangschleim festgehalten. Die gereizten Tentakeln neigen sich zur Blattmitte hin und das Blatt beginnt sich einzukrümmen. Nach mehreren Tagen ist die Verdauung beendet und die Blätter krümmen sich zurück. Nur der Chitinpanzer wird nicht verdaut. Die Gattung hat ihre Hauptverbreitung in Südost-Australien, wo sogar halbstrauchig kletternde Arten vorkommen. Wird arzneilich als Bestandteil von Hustenmitteln verwendet, wobei der Bedarf vor allem durch Importe gedeckt wird. In der Volksmedizin: Saft gegen Warzen, Asthma und als Aphrodisiakum für Haustiere (»Bullenkraut«) angewandt.(stucksdorf DAV 21-22).
Torfmoos (Sphagnum); Charakterpflanze des Hochmoors, kommt in 24 Arten vor (stucksdorf Ringler 20).
Literatur
  • Aichele, Dietmar: Was blüht denn da? In Farbe. Ein Führer zum Bestimmten von wildwachsenden Blütenpflanzen Mitteleuropas. 38. Auflage. Stuttgart 1976.
  • Bayerisches Staatsministerium für Landesentwicklung und Umweltfrage (StMLU): Schützen und blühen lassen! Die in Bayern geschützten Pflanzen. 2. Auflage. München 1978.
  • Deutscher Alpenverein (DAV), Hg.: Pflanzengeschichten. Brauchtum, Sagen und Volksmedizin zu 283 Pflanzen. München 2001.
  • Gustav Hegy: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. Hamburg 1906ff.
  • Hans Pfletschinger: Pfletschingers Schmetterlingkompaß. Tag- und Nachtfalter und ihre Raupen sicher bestimmen. 2. Auflage. München o.J.
  • Max Ringler: Die Welt der Pflanzen zwischen Wendelstein und Chiemsee. Gstadt 1972
 Das Landschaftsschutzgebiet Schwaberinger Moos wurde Bestandteil des EU-weiten Schutznetzes "Natura 2000". Die Sektion Rosenheim kaufte 0,8 Hektar im Moos an. Engagiert waren dabei der Naturschützer Werner Karl, Sektionsvorsitzender Franz Knarr, Schatzmeister Dieter Vögele und die Diplom-Biologin Christiane Mayr.
"Sektion Rosenheim rettet Enzian". DAV Panorama 3, Juni 2008. S. 95

Stucksdorf
Email  zurück zur Homepage eine Stufe zurück
© by Herbert Huber, Am Fröschlanger 15, 83512 Wasserburg, Germany, 11.8.2008